03.05.2011

Kreative Farbgestaltung mit Beatriz Schaaf-Giesser in der Filzschule Oberrot...


... nach arbeitsreichen Tagen packe ich Mitte April meine Koffer und mache mich auf in Richtung Ostalbkreis zur Filzschule Oberrot, wo der Workshop "Kreative Farbgestaltung" mit Beatriz Schaaf-Giesser stattfinden soll. Die letzten Filz-Jahre waren geprägt von autodidaktischem Arbeiten, doch in letzter Zeit wuchs der stetige Wunsch in mir nach mehr Austausch mit Gleichgesinnten sowie neuen Anregungen für die Arbeit. Ein Kurs über Farbgestaltung schien mir da der geeignete Auftakt. Ich bin bereits sehr gespannt, was auf mich zukommen wird.

Die Anreise durch das frühlingshaft blühende Kochertal allein ist schon herrlich. Auf den letzten Metern verfahre ich mich doch dank Navi komme ich mitten durch den Wald auf einer einspurigen Straße dann doch an. Nach einem letzten Anstieg habe ich es wirklich geschafft - ich bin da....


... und werde von Marlen willkommen geheissen, darf mein Zimmer beziehen, erst mal ankommen und in die Umgebung eintauchen.


Unser Kurs besteht aus sechs Teilnehmerinnen und nach einer kurzen Vorstellungsrunde tauchen wir mit Beatriz ins Thema ein.Die Einführung in die Farben ist kurz gehalten.

Prägnant in Erinnerung bleibt hier für mich, daß Farben verbunden sind mit Gewohnheit, Geruch, Wahrnehmung, Örtlichkeiten, Gefühl... "Das schwarze Buch der Farben" vermittelt uns hierzu einen Eindruck. Wie erfahren blinde Menschen Farbe? "Rot" riecht wie eine reife Erdbeere, "Gelb" ist so weich wie der Flaum von Küken, "Blau" hört sich an wie die Weite des Meeres.... Was fällt uns zu den Farben ein? Jeder sieht eine Farbe anders! Welche Erfahrugen verbinden uns mit welchen Farben? Die Wahrnehmung von Farbe ist also etwas zutiefst persönliches.

Die Grautöne...

Im praktischen Teil durchlaufen wir während des gesamten Tages verschiedene Stationen. 

Zu Beginn geht es darum, anhand von Kreide im Malen Grautöne zu erarbeiten und diese mit Hilfe von Handkarden oder Kardiergeräten in Wolle umzusetzen. Jedes Mischungsverhältnis wird genau dokumentiert, was es uns ermöglicht, später dieselbe Farbe wieder herzustellen. Wir filzen Probestücke, die wir dann unseren gemalten Mustern gegenüberlegen, um zu überprüfen wie nah wir dem geplanten Grauton im gekommen sind.

Primärfarben...

Der zweite Schritt besteht in der Arbeit mit den Primärfarben. Der Weg führt uns auch hier vorab über das freie Malen mit den Kreiden, hin zum Kardieren, um unserem Farbton mit der Wolle nahezukommen. Wiederum werden Proben erstellt, die wir unserer Vorlage gegenüberstellen. Die Kreide ermöglicht eine ähnliche Oberflächenstruktur wie der Filz, weswegen Sie sich als optimales Medium auf dem Weg zum Wolle mischen darstellt.

Die Komplementärfarben...

Schritt drei führt uns zu den Komplementärfarben, die wir durch Gegenüberstellung unseres Musters mit dem Farbkreis erforschen, dann wiederum malen und kardieren.





Die Ergebnisse sind verblüffend und von den Mischungen her sehr interessant. Die Filzmuster, welche aus den Kardierungen entstehen, sind in der Farbmischung wesentlich lebendiger als fertige Färbungen, was dem Filzobjekt eine spannende Komponente verleiht.

Das Ergebnis....

Ein vierter Schritt an den Stationen besteht darin, Harmonien und Disharmonien zu unseren Ursprungsmustern herzustellen. Dies sollte uns dazu führen, auch in unserer Arbeit einen Spannungsbogen zwischen Farben herzustellen, die uns auf den ersten Blick nicht ansprechen und nicht zum Werkstück zu passen scheinen. Leider kam ich hierzu nur auf dem Papier.


Zwischendurch gab es an diesem ersten Tag noch eine ausführliche Einführung in die Farblehre sowie die Entwicklung der Farbkreise angefangen bei Harris im 16./17. Jhd. bis auf den heutigen Tag. Die Komplexität in der Behandlung der Farben und die vielen verschiedenen Darstellungsweisen zur Erklärung der Farben auf den verschiedensten Ebenen, auch im Vergleich zur Graureihe haben mich ehrlich beeindruckt. 

Der erste Tag vermittelt uns all die Möglichkeiten, die wir selbst in der Mischung unserer Farbwünsche haben, auch wenn wir nicht färben wollen. Anhand der Wirkung einzelner Farben mit ihren Abtönungen, ihren Komplementärfarben oder in Verbindung mit für uns harmonischen sowie disharmonischen Farben erahnen wir nun die Möglichkeiten bezüglich unserer eigenen Filzarbeit. Hier liegt definitiv der Weg hin zu neuen Farbkombinationen, weg von den alt vertrauten. Experimentelles Erfahren des eigenen Farbgefühls.







Tag zwei begrüßt uns mit einem großen Block Farblehre. Beatriz läßt uns an Ihrem Wissen teilhaben und führt unseren Blick in die verschiedenen Mischungen von Farben (anhand selbst erstellter Woll-Mischungs-Filzmuster), spielt mit Grautönungen und Weißfärbungen. Sie zieht die moderen Künstler zu Rate, die uns mit all Ihrer Fantasie, die in ihren Werken zu sehen ist zur Seite stehen. Heller Grund bringt dunkle Farbe nach vorne, dunkler Grund bringt helle Farbe in den Vordergrund. Ein unerschöplicher Reichtum an Wissen eröffnet sich uns - und scheint auch ebenso schnell wieder zu entschwinden. Beatriz streift mit uns die Wirkung der Farbe auf uns persönlich und fordert uns dazu auf nachzudenken, wie wir Farbe assoziieren.


Danach geht es zum spannenden Teil...


Wir bekommen drei Worte: Geduld, Freude, Liebe. Die Aufgabenstellung ist die Frage der Anteiligkeit der Empfindungen in meinem Leben und damit auf mein Filzwerk, das es zu erstellen gilt. Der Rest des Tages ist dem Suchen von Farben zur Versinnbildlichung der einzelnen Worte, dem Kardieren, dem Entwerfen, Legen und Filzen gewidmet.











Hier sehen wir dann die Ergebnisse, denen jede Einzelne von uns Leben eingehaucht hat:








Endlich Pause:

Ich habe viel Anregungen mitgenommen - vor allem das freie Arbeiten mit der Aufgabenstellung hat mich herausgefordert und ermutigt, in mir selbst weiter nach dem zu suchen, was sich ausdrücken will. Danke für all den fachlichen Input, die genaue Anleitung zum festesten Filz, den ich je gefilzt habe, für all die neuen Farbvarianten, neue Aussichten auf außergewöhnliche Farbkombinationen und die Ermunterung, danach in mir selbst zu forschen, denn.... 

Um es mit Beatriz' Worten zu sagen:

"Richtig frei wurde ich erst, als ich erkannte, daß alles in mir liegt....!"






Kommentare:

  1. Liebe Angelika,

    allein das durchlesen Deines Beitrages lässt mich erahnen wie spannend der Kurs war, Du warst ja richtig auf Forscherreise. Das mit dem Mischen von Wolle ist ein guter Tipp, ich habe fertige Filzwolle die zwar einen Grundton hat, aber es blinkern auch andere Farbtöne durch, jetzt ist mir durch deinen Post klargeworden, das kann ich mir auch selbstherstellen. Danke!!
    lg Anja

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  2. Liebe Angelika, wie schön das ich auf deine Webseite gekommen bin. Ich habe letzte Woche block Zwei genossen bei Beatriz in der Ausbildung bei Wollknoll. Ich wünsche dir viel Freude in deine Ausbildung!
    Hadiah

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  3. Danke für diesen interessanten Bericht! Von all so etwas bin ich viel zu weit entfernt...und freue mich daher sehr, wenn ich darüber zu lesen krieg!

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